Freitag, 10. Juli 2015

Fünf Herausforderungen in Sachen Unternehmensnachfolge

Ein Gastbeitrag vom Christian Wewezow, 

Managing Partner bei Clockwise Consulting.

In Thüringen stehen laut Statistik zwischen 2014 und 2018 schätzungsweise 2.900 Unternehmens-nachfolgeregelungen an – das betrifft kleine innovative Technologiebetriebe oder Handwerks-unternehmen genauso wie die mittelständische Industrie.


Ein Teil der Markt- und Wettbewerbsfähigkeit der starken Thüringer Wirtschaft wird in Zukunft nunmehr vom Gelingen erfolgreicher Übernahmen abhängen. Aus Sicht der betroffenen Unternehmer müsste Unternehmensnachfolge schon heute eine Toppriorität haben, da sich dieser Prozess in der Regel über vier bis fünf Jahre erstrecken kann und zudem viele Herausforderungen gemeistert werden müssen. Einige Unternehmer nutzen die wertvolle Zeit, sich mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen, für einige andere ist es leider ein Tabu. Praktische Ratgeber und Fachbücher rund um „Unternehmensnachfolge“ thematisieren meistens u.a. die Suche und Auswahl eines geeigneten Nachfolgers, mögliche Formen der Unternehmensübergabe, die schrittweise Übertragung eines Unternehmens, die Ermittlung der Unternehmensbewertung sowie rechtliche und steuerliche  Fragen.

Die Hürden, die Nachfolger nicht nur während des Übernahmeprozesses, sondern gerade nach der Übernahme zu meistern haben, kommen bei diesen Betrachtungen oftmals zu kurz. Genau auf diesen Aspekt möchten wir nun kurz näher eingehen. Als Strategie- und Organisationsentwickler wissen wir sehr gut, mit welchen zentralen Herausforderungen zur Stunde „Null“ ein Nachfolger konfrontiert ist und wie er ihnen begegnen kann:

1.       Herausforderung: Der Senior wirkt zu lange noch nach der Übernahme operativ mit.
Wenn der Nachfolger das Unternehmen und die Branche gut kennt, sollte das operative Geschäft schnell komplett in den Händen des Nachfolgers liegen. Das operative Ausscheiden sollte von vornherein schriftlich vereinbart werden und der Nachfolger sollte auf die Einhaltung der Exitfrist bestehen.

2.       Herausforderung: Der Senior hat es versäumt, die Firma weiterzuentwickeln.
Wenn der Nachfolger nach der Übernahme feststellen muss, dass die Unternehmensentwicklung versäumt wurde, ist es Zeit, rasch und konsequent zu handeln, um markt- und wettbewerbsfähig zu bleiben und damit die Neuausrichtung zu gestalten. Es kann ratsam sein, den Prozess der Firmen- und Strategieentwicklung methodisch und fachlich durch einen neutralen externen Fachmann begleiten zu lassen, um sich nicht allzu sehr in der Anwendung von Strategieinstrumenten  zu verstricken.

3.       Herausforderung: Der Nachfolger unterschätzt die Details des Firmenkonzeptes.
Erst wenn der Nachfolger die bestehende Vision und auch die Details des Geschäftskonzepts kennt und versteht, kann er den Betrieb unternehmerisch fortführen und (um)gestalten („never change a running system“).

4.       Herausforderung: Der Führungsstil des Nachfolgers steht im Kontrast zum Senior.
Unabhängig davon, ob der Führungsstil des Seniors autoritär oder eher Laissez-faire gegenüber der  Belegschaft war - sobald die Führung des Nachfolgers im Kontrast steht, wird es eine Weile dauern, bis die Belegschaft ihre Einstellungen und ihr Verhalten neu ausrichtet. Gerade in inhaber- oder familiengeführten kleinen und mittelständischen Betrieben zieht einen Führungswandel auch einen Kulturwandel  nach sich. Dieser Veränderungsprozess sollte durch konsistente und konsequente Führung, eine Änderung der Unternehmenswerte und des Leitbildes, systematische Mitarbeitergespräche und Teamentwicklung herbeigeführt werden.

5.       Herausforderung: Der Nachfolger hat Schwierigkeiten damit, Prioritäten zu setzen.
Der Nachfolger sollte seine Prioritäten nicht nach der zu erledigenden Arbeit setzen. Stattdessen sollte die Priorisierung der Arbeit vielmehr über die gewünschten Resultate erfolgt und wie lange es dauert, diese Resultate erzielen zu können.

Gerade für Nachfolger kann es nach der Übernahme sinnvoll sein, externe Prozessbegleiter und Sparringspartner hinzuziehen, um den vor ihnen liegenden Berg bezwingen zu können, da methodisches und fachliches Wissen sowie ein neutraler Außenblick fehlen.